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Bipacours Altes Rom

Ein junger Vielleser, eine pfiffige Idee und der verdiente Erfolg: Stadtbücherei Ibbenbüren stellt eine ungewöhnliche Kooperation auf die Beine

Cäsar, Gladiatoren, das Kolosseum in Rom – Chris Wysadas Welt ist eine spannende. Der Elfjährige taucht in seiner Freizeit tief hinab in Dinge, die weit, weit vor unserer Zeit liegen. Er erforscht, entdeckt, ergründet, will wissen, verstehen. Zumal das Alte Rom hat es ihm angetan. „Wie die Römer ihr Weltreich zusammengehalten haben“, beginnt er – und dann folgt eine lange Liste von Aspekten, die ihn an den einstigen Gestaltern Europas und der damals bekannten Welt faszinieren.

Genau an diesem Punkt kommt die Stadtbücherei Ibbenbüren ins Spiel. Der wissensdurstige Blondschopf sah sich mit der Corona-Pandemie nämlich unvermittelt vor ein ziemliches Problem gestellt: Im Geschichtsunterricht hatte Chris, der die sechste Klasse der Roncallischule besucht, zusammen mit seinen Mitschülern die Aufgabe übermittelt bekommen, eine Mappe zum Alten Rom zusammenzustellen. Die sollte alles Wichtige und Bemerkenswerte zum Imperium Romanum umfassen. Flugs wollte er sich an die Recherche hierzu machen – doch die Stadtbücherei, von wo er regelmäßig seine umfassende Lektüre bezieht, war ebenso wie die Schule wegen Corona geschlossen. Was tun, wenn man weiß, wo alles benötigte Wissenswerte lagert – man aber nicht darankommt?

Gründlich geforscht, Begeisterung entfacht

Chris‘ Mutter wusste Rat. Schnell glühte der Draht zum Team des Medienzentrums an der Oststraße. „Wir haben ihm daraufhin ein paar Quellen gemailt“, schildert Büchereileiterin Dagmar Schnittker den Beginn dessen, was für beide eine fruchtbare Zusammenarbeit geworden ist. Denn Chris Wysada hat nicht nur gründlich geforscht und binnen zweier Arbeitswochen eine informationssatte, 29 DIN-A-4-Seiten umfassende Mappe zur Welt des Alten Roms verfasst – die Bibliothek hat ihrerseits den Faden daraus weitergesponnen und aus dem Unterrichtsprojekt einen digitalen Lernparcours erstellt.

Fragen und Aufgaben für dieses Produkt stammten aus Chris‘ Feder und Mappe. Das Team der Stadtbücherei machte sich daran, aus seinem Material die Lerneinheit zu erstellen. „Wir haben Chris, als alles fertig war, die Startanleitung per Mail geschickt“, berichtet Schnittker. „Er war total begeistert und hat diese dann auch seinem Lehrer übermittelt. Mit dem Erfolg, dass der wiederum ganz begeistert seinen Schülern den Parcours als Hausaufgabe geschickt hat.“ Chris‘ kleines opus magnum zog schnell Kreise.

29 Seiten in zwei Wochen – umfangmäßig entspricht das locker einer Semesterarbeit im Universitätsseminar. Zwar nicht in jedem Punkt trocken wissenschaftlich, dafür aber umso unterhaltsamer präsentiert sich, was der coole Chris in seiner Geschichtsbegeisterung zusammengetragen hat. „Ich habe viel dabei gelernt“, freut sich der Urheber von Mappe und Parcours. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass manche Sklaven im Alten Rom gelehrt waren und als Privatlehrer eingesetzt wurden. Ich wusste bislang eigentlich nichts über Aquädukte…“, sprudelt es aus ihm. Auch wenn manche Station seiner historischen Entdeckungsreise für ihn Unbekanntes bot – jetzt hat er alles selbstständig Recherchierte drauf und intus.

Produktiver Viel-, Früh- und Spätleser

Für das Team der Stadtbücherei ist Chris Wysada kein Unbekannter. In der Bibliothek weiß man anhand seiner Ausleihliste, dass er ein Vielleser ist: 100 Bücher hat er allein im vergangenen Sommer verschlungen, und aktuell gräbt und wühlt er sich durch Tolkiens „Hobbit“ und „Herr der Ringe“. Auch ist dort bekannt, dass er passionierter Früh- und Spätleser ist: „Ich lese morgens vor dem Aufstehen und abends auch noch lange“, gibt Chris zu – hüllt sich aber in beredtes Schweigen, ob er dazu heimlich unter der Bettdecke die Taschenlampe nutzt, während die Eltern ihn bereits schlafend wähnen. Und: Der junge Forscher war bereits Testkandidat für den Ibb-Parcours, den die Bücherei in Eigenregie aufgelegt und der sich seinerzeit schnell als Erfolgsgeschichte entpuppt hat. „Doch, wir hatten Chris schon länger auf dem Schirm“, sagt Büchereileiterin Dagmar Schnittker. Als sein coronabedingter Lernnotruf an der Oststraße einging, stand deswegen schnell die Idee, doch mal gemeinsam etwas Produktives auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis zeigt: Es war eine gute Idee. Weswegen man jetzt miteinander in kreativem Kontakt bleiben möchte.

Chris Wysada ist derweil gedanklich bereits in neuen Gefilden unterwegs. Im Geschichtsunterricht steht demnächst als Thema das Mittelalter an. Da geht noch was. Ganz bestimmt. Chris‘ Welt bleibt spannend.

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