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Büchereileiterin Dagmar Schnittker, Medienpädagogin Arzu Ueding und Anne Doeinck (Auszubildende zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste) präsentieren themenbezogene Bücher zum Ibbenbürener Projekt, das jetzt eine Förderzusage bekommen hat. Foto: Stadt Ibbenbüren / Henning Meyer-Veer

Förderzusage für Demokratieprojekt „Geschichte vor Ort – Bausteine für eine aktiv gestaltete Erinnerungskultur in Ibbenbüren“

Die Freude beim Team der Stadtbücherei Ibbenbüren ist immens: Die deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt und fördert mit dem bundesweiten Projekt Openion – Bildung für eine starke Demokratie“ die Arbeit der Stadtbücherei als außerschulischer Partner in Kooperation mit den weiterführenden Schulen der Stadt, einschließlich Janusz-Korczak-Schule und Roncalli-Realschule. Die Förderzusage bekam Büchereileiterin Dagmar Schnittker jetzt übermittelt. „Darüber haben wir uns sehr gefreut, und ich glaube, wir können sehr stolz darauf sein.“
In einer Kooperation zwischen Schule und außerschulischen Partnern, wie der Stadtbücherei, Demokratie als gesellschaftlichen Aushandlungs- und Gestaltungsprozess erfahrbar machen, demokratische Werte im Alltag leben und zeitgemäße Impulse einbeziehen – das ist Kern des Projekts „Openion – Bildung für eine starke Demokratie“ in Nordrhein-Westfalen. In Form von lokalen Projektverbünden werden dabei gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern zwischen zehn und 18 Jahren bedarfsorientiert zeitgemäße Formen gelebter Demokratiebildung im Rahmen eines zweijährigen Projektes erprobt. Im Fokus stehen lebensweltnah umgesetzte Projekte, zum Beispiel aus den Bereichen Medien- und Jugendkultur, Umweltbildung oder Erinnerungskultur, in denen Kinder und Jugendliche die Wirksamkeit ihres demokratischen Handelns erleben und sich mit Wertvorstellungen und demokratischen Prinzipien auseinandersetzen.

Gemeinsam mit der Medienberatung des Kreises Steinfurt und Bildungspartner NRW hat die Stadtbücherei Ibbenbüren das Projekt „Geschichte vor Ort – Bausteine für eine aktiv gestaltete Erinnerungskultur in Ibbenbüren und Umgebung“ entwickelt und sich damit beworben. „Es geht darum, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, sich lokal, historisch-politisch in erinnerungskulturellen Kontexten zu engagieren. Das gehört zu den großen Chancen eines zeitgemäßen Geschichtsunterrichts“, sagt Dagmar Schnittker. „Dieser Unterricht findet nicht mehr nur in der Schule, sondern auch in Kooperation mit außerschulischen Lernorten vor Ort statt.“
Hier setzt die Fortbildungsreihe an, die die Moderatorinnen und Moderatoren für historisch-politische Bildung in Kooperation mit Bildungspartner NRW und der Stadtbücherei Ibbenbüren für Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufen I und II in der Stadt Ibbenbüren und Umgebung entwickelt haben. „Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer werden gemeinsam mit lokalen Experten unterrichtlich nutzbare Bausteine für außerschulische Lernorte in Ibbenbüren konzipieren, die zu einer aktiven Mitgestaltung der lokalen Erinnerungskultur beitragen können“, so Schnittker weiter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildungsreihe erhalten einen Input über folgende lokalgeschichtlich ertragreiche Themen: jüdisches Leben, die Zeit des Nationalsozialismus, deutsch-deutsche Geschichte sowie Migrationsgeschichte. „Darauf aufbauend, wählen sie vertiefend einen Schwerpunkt, zu dem sie eigens für ihre Schule angepasste Unterrichtsbausteine entwickeln.“

Als außerschulischer Lernort arbeitet die Stadtbücherei Ibbenbüren bereits seit 2006 als Bildungspartner mit den Schulen in Ibbenbüren und Umgebung erfolgreich zusammen. So landete die Stadtbücherei bereits 2009 im Bildungspartnerwettbewerb mit ihrem Konzept auf den 1. Platz. 2019 wurde das Europaprojekt mit der Janusz-Korczak-Förderschule als Gewinner ausgewählt und erfolgreich umgesetzt. Im Bereich der Grundschulen entwickelten sie passgenaue Angebote zum Medienkompetenzrahmen NRW und etablierte sich als „digitales Kompetenzzentrum“. 2021 wurden Autorenworkshops mit einer App zur Durchführung im Unterricht in den Schulen konzipiert und in den beteiligten Bildungspartnerschulen durchgeführt.
Die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei sind hierbei zum Teil doppelt qualifiziert, denn neben Bibliothekarinnen gibt es Medienpädagoginnen und einen Bachelor in Geschichte.

Der Fürsprache der Schulen sei es letztendlich auch zu verdanken gewesen, die Stadtbücherei Ibbenbüren ein kommunales „Gesamtkonzept historisch-politischer Bildung in Ibbenbüren“ entwickeln zu lassen, ihre Kooperation mit Schulen auszubauen und außerschulische Lernorte, Experten vor Ort sowie Lehrerinnen und Lehrer zu vernetzen. Seit dem Ratsbeschluss wurden bereits zwei Angebote mit der App BIPARCOUR entwickelt, eines zu Stolpersteinen in Ibbenbüren, ein weiteres zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl (von Bildungspartner NRW ausgezeichnet). Die Stadtbücherei vermittelt ebenfalls Zeitzeugen, Autorenlesungen oder organisiert Ausstellungen, immer in Absprache mit den konkreten Bedarfen der Schulen. Teilnehmende Schulen erhalten pro Schuljahr zwei Anrechnungsstunden, um die Betreuung und die nachhaltige Weiterentwicklung der Projekte zu ermöglichen. Der Auftakt findet mit einem Fachtag am 14. September im Kulturhaus statt. Alle interessierten Schulen und Lehrkräfte aus dem Umland sind ebenfalls eingeladen mitzuarbeiten. Weitere Informationen gibt es in der Stadtbücherei Ibbenbüren, Telefon 05451 931-754.

Und auch den Bürgermeister freut die Förderzusage. „Bibliotheken sind in der heutigen Zeit weit mehr als Orte, an denen sich Bücher oder andere Medien ausleihen lassen“, sagt Dr. Marc Schrameyer. „Bibliotheken sind im wahrsten Wortsinne Partner in Sachen Bildung. Unsere Stadtbücherei geht diesen Weg schon seit einigen Jahren sehr konsequent und vor allem sehr erfolgreich, indem sie ständig neue Angebote entwickelt und sich als Partner dabei ständig weiterentwickelt. Von daher ist diese Anerkennung durch die Förderzusage mehr als nur verdient. Ich habe mich sehr für das Bücherei-Team gefreut.“
Und auch in Düsseldorf freute man sich über die Zusage. „Historisch-politische Bildung lässt sich nicht beibringen“ oder gar „eintrichtern“. Letztlich müssen sich alle Schülerinnen und Schüler ihr Verhältnis zur nationalsozialistischen Vergangenheit oder zur Geschichte und Gegenwart der Migration selbst aneignen`“, sagt Andreas Weinhold von Bildungspartner NRW. „Das Ibbenbürener Projekt lädt genau dazu ein: Junge Leute werden zur aktiven Mitwirkung an der Geschichts- und Erinnerungskultur ihres Ortes befähigt. Das ist modellhaft für eine demokratische Aneignung der Geschichte.“
Die Stadtbücherei Ibbenbüren im Internet: www.stadtbuecherei-ibbenbueren.de

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